Festwochen präsentieren Programm für 2020, die Nummer 44

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Festwochen präsentieren Programm für 2020, die Nummer 44.  in den kaum gehörten Vertonungen von Ferdinando Paër („Leonora“) und Alessandro Melani („L’empio punito“) sowie die Intermedien zu „La Pellegrina“. Im Konzertprogramm feiert unter anderem der international gefeierte Countertenor Franco Fagioli Premiere, ein Wiedersehen gibt es mit dem Cembalisten Christophe Rousset, dem Consort des Freiburger Barockorchesters und der Accademia Bizantina.

Redazione

Fidelio, Don Giovanni, Apollo – große Operngestalten werden 2020 bei den Festwochen zu erleben sein. Jedoch nicht in den berühmten Vertonungen von Beethoven, Mozart und Cavalli, sondern vielmehr in spannenden Musikdramen weit unbekannterer Herkunft. „Leonora“ heißt die Oper von Ferdinando Paër, in der die heldenhaften Gattin Florestans ihren Mann aus der Gefangenschaft des Tyrannen Pizarros befreit. Die Oper wurde ein Jahr vor der Erstfassung von Beethovens „Fidelio“ in Dresden uraufgeführt. Bei den Festwochen erinnert Intendant Alessandro Marchi im Beethoven-Jahr 2020 an dieses unmittelbare Vorgängerwerk. „Leonora“ war eine von 50 Opern des erfahrenen und zu seinen Lebzeiten erfolgreichen Komponisten Paër. Heute ist er ebenso vergessen wie – zu Unrecht – seine musikalisch packende „Leonora“ und all seine anderen Opern. Die von den Bregenzer Festspielen bis Glyndebourne erfolgreiche Opernregisseurin Mariame Clément inszeniert die drei Aufführungen im Tiroler Landestheater. Die Cesti-Preisträgerin Arianna Vendittelli, die 2019 in der Festwochen-Oper „Merope“ für Begeisterung sorgte, schlüpft in die Rolle der Leonora. De Marchi dirigiert das Innsbrucker Festwochenorchester. „Leonora“ ist eine Koproduktion mit dem Beethovenfest Bonn und den Schwetzinger SWR Festspielen.

Im Gegensatz zur edlen Heldin Leonora geht es in einer weiteren Wiederentdeckung bei den Festwochen 2020 um einen der dunkelsten Helden der Operngeschichte. 120 Jahre vor Mozarts „Don Giovanni“ vertonte der Italiener Alessandro Melani den Theaterstoff des spanischen Mönches Tirso de Molina über den ruchlosen Frauenverführer. Melanis Oper, 1669 in Rom uraufgeführt, trägt den Titel „L’empio punito“ („Der bestrafte Gottlose“). Der wunderbare melodische Opernstil mit aneinandergereihten Ariosi passt gut nach Innsbruck, erinnert er doch stark an die Opernmusik des hiesigen Hofkomponisten Cesti. Die besten SängerInnen des Cesti-Wettbewerbs 2019 werden sich im Innenhof der Theologie in dieser Barockoper:Jung-Produktion unter der Leitung der Dirigentin Mariangiola Martello dem ersten Giovanni der Operngeschichte widmen.

Noch vor der „Erfindung“ der Oper waren am Medici-Hof in Florenz szenische musikalische Intermedien zu Aufführungen von Schauspielen in großer Mode. Für die 1589 im Uffizienpalast aufgeführten Zwischenspiele zur Komödie „La pellegrina“ komponierten Giulio Caccini, Jacopo Peri und Emilio de‘ Cavalieri, jene Pioniere, die wenige Jahre später die ersten Opern über griechisch-antike Stoffe schufen, bereits wunderbare „Mini-Opern“. Musengott Apollo durfte als eine der Hauptfiguren in den Zwischenspielen zu den Themen „Macht“ und „Einfluss der Musik auf die Menschheit“ nicht fehlen. 400 Jahre nach der Uraufführung werden die Intermedien nun bei den Festwochen wieder in all ihrer mythologischen Macht und ihrer musikalischen Pracht entfaltet: von überragenden Musikern wie Eduardo Egüez und seinem Ensemble La Chimera, den MadrigalistInnen des Coro Voz Latina und des Tiroler Chors NovoCanto sowie von begnadeten SolistInnen, angeführt von der mehrfach ausgezeichneten Sopranistin Alicia Amo.

 

Who’s afraid of Baroque?
Das Konzertpublikum darf sich im Juli und August 2020 auf Künstlerinnen und Künstler mit Können, Rang und Namen freuen. In den Ambraser Schlosskonzerten widmet sich das spanische Ensemble Al Ayre Español den Triosonaten von Händel und Corelli, das Café Zimmermann lädt zu köstlichen kammermusikalischen Delikatessen, ein mitreißendes Programm mit Tänzen aus der Shakespeare-Zeit präsentiert das Ensemble Concerto Scirocco und abschließend lässt die Harfenistin Margret Köll mit ihren Mitmusikerinnen die «Madrigali secreti» aus Ferrara wieder aufleben

Festwochen-Premiere feiert der Star-Countertenor Franco Fagioli, der im Tiroler Landestheater Arien von Leonardo Vinci und Georg Friedrich Händel zum Besten geben wird, begleitet vom renommierten Barockensemble Il pomo d’oro. Ein Wiedersehen gibt es mit dem Cembalisten Christophe Rousset, der mit einer Kammerformation seines Ensemble Les Talens Lyriques und der Gewinnerin des Cesti-Wettbewerbs 2019, der britischen Mezzosopranistin Grace Durham, im Konzert „From Purcell with Love“ zu erleben sein wird. Nach der Wiederbelebung von Cestis Oper „La Dori“ im vergangenen Festwochensommer kommt die Accademia Bizantina unter der Leitung von Ottavio Dantone zurück nach Innsbruck. Im Riesensaal der Hofburg widmen sie sich gemeinsam mit der französischen Altistin Delphine Galou Vivaldi und der Liebe. Nicht Vivaldis, sondern Giovanni Antonio Guidos „Vier Jahreszeiten“ bringt das Ensemble Diderot mit dem Südtiroler Barockgeiger Johannes Pramsohler nach Innsbruck.

Diese „anderen Jahreszeiten“ sind für drei Violin-Solostimmen komponiert und entsprechen stärker der französischen Suite als dem italienischen Concerto. Von Erzherzog Ferdinands Wunderkammer auf Schloss Ambras ließen sich die Musiker des französischen Ensembles Agamemnon inspirieren. Klingende Schätze präsentieren die Originalklangmusiker in einem Konzert im Spanischen Saal. Auf französische Musiker treffen wir auch im „Open Mind“-Konzert 2020: The Curious Bards lassen irische und schottische Folkmusik aus der Barockzeit unter dem verheißungsvollen Titel „By Moonlight on the Green“ neu aufleben. In der geborgenen Atmosphäre der Nikolauskapelle wiederum spielen die Barockgeigerin Kinga Ujszászi und der Lautenist Jadran Duncumb Musik von „Assassini, Assassinati“, also Werke von Mördern und Ermordeten. Thomas Dunford lädt indessen zum „Lautenlauschen“ ein und interpretiert Solostreichwerke von Bach in Lautenbearbeitung.

In einem Open-Air-Konzert im Innenhof der Theologie stellt Countertenor und Balletttänzer Vincenzo Capezzuto die für Innsbruck obsolete Frage: „Who’s afraid of Baroque?“.

Der Cesti-Gesangwettbewerb geht in ein neues Jahrzehnt: Nach dem erstklassigen Wettsingen 2019 darf man sich in der elften Auflage des Wettbewerbs erneut auf hochtalentierte NachwuchssängerInnen freuen. Das Finalkonzert bildet den Abschluss des Festivals, als Pflichtarien müssen die FinalistInnen Arien aus der Oper „Boris Goudenow“ von Johann Mattheson vorbereiten.

Glanzstücke der Kirchenmusik
In der Stiftskirche Wilten präsentiert das Freiburger BarockConsort – mit Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland und Countertenor Christophe Dumaux – eines der seelenvollsten Sakralwerke: Pergolesis Stabat Mater. Ein weiteres Glanzstück der Kirchenmusik, Beethovens C-Dur-Messe, bringt Alessandro De Marchi im Beethoven-Jahr im Dom zu St. Jakob zur Entfaltung. Dabei kann er mit Laura Aikin, Anke Vondung, Julian Prégardien und Georg Nigl auf ein namhaftes Sängerensemble zurückgreifen. Zwei der bedeutendsten spätmittelalterlichen Komponisten widmen sich der Lautenist Michele Passotti und seine Mitmusiker von La fonte musica in der Hofkirche: Matteo da Perugia und Antonio „Zacara“ da Teramo. Das Schweizer Vokalensemble Voces Suaves wiederum nimmt die Hörer mit in das barocke Rom zum Komponisten Giacomo Carissimi und bringt dessen herzzerreißendes Oratorium „Historia di Jephte“ zum Klingen.

Innsbruck im Zeichen der Alten Musik
Nach der erfolgreichen Premiere bei den vergangenen Festwochen stehen erneut drei Überraschungskonzerte auf dem Spielplan der Festwochen: Die Orte stehen fest, das Programm und die KünstlerInnen bleiben bis zum Konzertbeginn geheim. Junge BesucherInnen können im Kinderkonzert „Saitenweise“ die Klangwelten der Saiteninstrumente erforschen. Den Geigenbau-Workshop mit Claudia Unterkofler gibt es 2020 nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Groß und Klein dürfen sich zudem erneut auf Barockmusik in der ganzen Stadt freuen, wenn das Concerto Mobile der Festwochen in Innenhöfen, Cafés, Buchhandlungen und unter schattenspendenden Bäumen aufspielt. Ein Fixpunkt ist und bleibt das Schlossfest Ambras, das heuer zum 26. Mal ein kunterbuntes Programm für die ganze Familie bietet.

www.altemusik.at

 

Redazione
(29/11/2019)

 

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